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Carl Friedrich von Rumohr (CFR) stellt beispielhaft den Übergang von der Adels- zur Bürgergesellschaft dar. Er betrieb entgegen der herrschenden Auffassung zeitgenössischer Adeliger nicht Bildung als Selbstzweck, sondern wandte sich mit gestalterischem Anspruch unmittelbar an seine Umwelt. Eine Welt, die er innerhalb der Rahmenbedingungen ihrer selbst stets positiv zu beeinflussen suchte. CFR nutzte seine große persönliche Freiheit für seine Arbeit auf unterschiedlichsten Gebieten. Auf den meisten davon nimmt er bis heute einen prominenten Platz ein.

CFR (1785-1843) gilt als Mitbegründer der neueren Kunstgeschichte und Begründer des Denkmalschutzes in Deutschland, er beriet unter anderem die Königshäuser Preußen, Dänemark, Bayern und Württemberg beim Aufbau von Gemälde- und Kupferstichsammlungen. Auch begründete er die Gastrosophie und befasste sich als einer der ersten mit einer den Menschen wie den Zutaten gerecht werdenden Küche. Er war außerdem tätig als Novellist, Kunstsammler, Zeichner, Radierer, Agrarhistoriker, Mäzen und Diplomat. Ob nun als Mäzen auf einzelne Künstler konzentriert oder etwa als Gastrosoph und Kunsttheoretiker an die Allgemeinheit gerichtet, war sein Ansatz dabei immerzu die Suche nach dem Individuellen und seine Förderung,

Auf seinen zahlreichen Reisen wurde CFR mit seinen berühmtesten Zeitgenossen bekannt. Er besuchte Goethe in Weimar, traf die Gebrüder Humboldt während seines ersten Wanderjahres gemeinsam mit Ludwig Tieck in Rom, lernte dort später auch Overbeck kennen und hatte regen Kontakt zu Schinkel. Mehrmals weilte Rumohr für längere Zeit in Italien. Zu seinen bekanntesten Werken zählen daher auch der kunstgeschichtliche Meilenstein Italienische Forschungen und seine Memoiren Drey Reisen nach Italien.

Insbesondere aber Carl Friedrich von Rumohrs gastrosophische Schrift hat bis heute eine große Strahlkraft. Eckart Witzigmann etwa ist nicht zuletzt durch sein „Kalbsbries Rumohr“ berühmt geworden. Wolfram Siebecks erste Kolumne in DER FEINSCHMECKER beschrieb minutiös die Entstehung eben jener neuen Kreation Witzigmanns. Die Gastronomische Akademie Deutschlands verleiht als höchste Auszeichnung den Carl-Friedrich-von-Rumohr-Ring und die Hotelfachschule in Lübeck trägt seinen Namen.

Fast vollständig vorliegend ist mittlerweile die von Enrica Yvonne Dilk herausgegebene, erste Gesamtausgabe von Rumohrs Sämtlichen Werken (in 16 Bänden) im Georg-Olms-Verlag.

Friedrich Nerly: Bildnis Karl Friedrich von Rumohr, um 1823–1827